Bundeswehr - Karrieremöglichkeit und Charakterschule
Für einen angehenden Abiturienten spielt die Frage „Bundeswehr oder Zivildienst?“ normalerweise eine große Rolle. Doch herrscht meist bei den Betroffenen Unsicherheit über die Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten, die ihnen die Bundeswehr bietet.
Hier gilt es für uns, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, zumal viele Lehrer heute auf dem Standpunkt stehen, der Zivildienst sei die bessere Alternative.
Man sollte jedoch als mündiger Staatsbürger immer bedenken, daß die Schöpfer des Grundgesetzes davon ausgingen, daß das Ableisten des Wehrdienstes der Normalfall sei und grundsätzlich kann es nicht schlecht sein, wenn man neben seinen Rechten als Staatsbürger auch einmal seine Pflichten gegenüber der Gemeinschaft kennenlernt und ausübt. Leider ist die Frage der „Wehrgerechtigkeit“ heute drängender denn je, so daß viele wehrfähige junge Männer heute erst gar nicht eingezogen werden. So sollte man sich bei Interesse an der Ableistung des Wehrdienstes aktiv um die Einziehung zum Dienst bei seinem zuständigen Kreiswehrersatzamt bemühen.
Die günstigste Zeit für die Ableistung des Wehrdienstes liegt mit Sicherheit direkt nach dem Abitur, denn man ist noch nicht in Studium oder Ausbildung gebunden und kann seine Zeit bei der Bundeswehr für die persönliche Entwicklung optimal nutzen.
Es hängt in besonderem Maße von der Truppengattung und der jeweiligen Einheit ab, wie gewinnbringend der Grundwehrdienst verläuft. Wer zum Beispiel gerne körperlich gefordert werden möchte, sollte versuchen sich zur Kampftruppe einziehen zu lassen, wer über entsprechende technische Fertigkeiten verfügt, für den könnte sich eine Verwendung bei den Kampfunterstützungstruppen anbieten usw.
Besonders der Umgang mit anderen jungen Menschen, das Kameradschaftserlebnis und das gemeinsame Erreichen von Zielen zusammen mit anderen trägt enorm zur eigenen Charakterentwicklung bei. Auch das Bewußtsein sich in bestimmten Situationen unterzuordnen zu müssen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen, ist eine wichtige Erfahrung für das spätere Berufsleben und die eigene gesellschaftliche Stellung.
Die Bundeswehr kann zwar in gewissen Dingen nicht mehr als „Schule der Nation“ angesehen werden, doch sind nahezu alle Vorgesetzten bemüht Werte, wie zum Beispiel Verantwortungsgefühl und Pflichtbewußtsein zu vermitteln, die zwar in unserer Gesellschaft heute angeblich zu den „Sekundärtugenden“ zählen, aber von vielen Arbeitgebern trotzdem gerne gesehen werden.
Die Bundeswehr bietet darüber hinaus vielfältige Möglichkeiten der Karriere. Ein Studium bei der Bundeswehr an einer der Bundeswehruniversitäten Hamburg oder München ist grundsätzlich möglich, wenn man sich für die Laufbahn der Truppenoffiziere mit einer Verpflichtungszeit von zwölf Jahren entscheidet. Es bietet sich jedoch bei Interesse an einer Verpflichtung unbedingt an, zunächst einmal seinen Grundwehrdienst abzuleisten, um festzustellen, ob einem der soldatische Dienst überhaupt zusagt.
Auch wenn die Bundeswehr das Studium massiv bewirbt, um Nachwuchs zu gewinnen, sollte man bedenken, daß das Studium nur einen Bruchteil der Dienstzeit (etwa drei Jahre) ausmacht und man überwiegend im Truppendienst eingesetzt wird. Auf jeden Fall sollte man sich sorgfältig informieren, bevor man sich für zwölf Jahre (oder als angehender Arzt auch sechzehn Jahre) verpflichtet. Auch die Möglichkeit eines Einsatzes im Ausland ist in die Überlegungen einzubeziehen, denn jeder Offizieranwärter, der sich heute verpflichtet, kann davon ausgehen, daß er in seiner Dienstzeit mindestens zwei Mal in einen Auslandseinsatz gehen wird.
Vorteil einer Verpflichtung als Offizier ist die breit gefächerte Ausbildung, die einem nach seiner Dienstzeit im Berufsleben, neben den im Studium erworbenen Kenntnissen, enorme Vorteile verschaffen kann. So sind die Schwerpunkte der militärischen Ausbildung des Offiziers die Themenbereiche Methoden der Menschenführung, Entscheidungsfähigkeit auch unter psychischer und physischer Belastung, Projektmanagement, Selbst- und Zeitmanagement und methodische und didaktische Fähigkeiten in der Erwachsenenbildung. Dies sind Fertigkeiten, die den ehemaligen Offizier, neben der hochwertigen akademischen Ausbildung, bei späteren Arbeitgebern attraktiv machen.
Eine Alternative zur relativ langen Verpflichtungszeit als Truppenoffizier ist die Möglichkeit, sich als Reserveoffizieranwärter auf zwei Jahre zu verpflichten.
Man verläßt die Truppe als Fähnrich nach seinem Offizierlehrgang für Reserveoffizieranwärter und kann während des anschließenden Studiums oder des späteren Berufslebens durch Wehrübungen sein Wissen auffrischen und wird je nach Menge der Wehrübungen entsprechend befördert. Man erwirbt auch hier Grundkenntnisse in den oben genannten Fertigkeiten, ist jedoch nicht auf so lange Zeit an die Streitkräfte gebunden.
Doch auch die Alternativen zum Wehrdienst sollen nicht verschwiegen werden, deren Vor- und Nachteile man ebenfalls sorgfältig bedenken sollte. Der Zivildienst ist heute leicht anzutreten und wird nicht mehr nur von „überzeugten Pazifisten“ frequentiert. Deshalb steht der Zivildienst oftmals in den Augen von „Gedienten“ in dem Verdacht, die bequemere Lösung zu sein. Doch kann es auch hier Gelegenheiten geben, sich persönlich weiterzuentwickeln, man denke nur an eine Tätigkeit im Altersheim oder anderen gemeinnützigen Einrichtungen.
Andere Alternativen zum Wehrdienst und Zivildienst sind die Verpflichtung bei Feuerwehr oder Technischem Hilfswerk. Als Nachteil wird bei dieser Alternative jedoch zumeist die lange Teilnahmepflicht von zehn Jahren empfunden.
Grundsätzlich ist bei Abwägung von Vor- und Nachteilen aus dem oben gesagten jedem zur Ableistung mindestens seines Grundwehrdienstes zu raten.
